Frühgeschichte

Seit fast 50 Jahren besteht unser Club. Seit 1996 sind wir Eigentümer des Großteils unseres Clubgeländes am Biddersbacherhof. Wir stehen damit in der langen Tradition einer schon in römischer Zeit belegten Nutzung dieses attraktiven Besitztums mit seinen schönen, von Wald umsäumten Talwiesen der Bachläufe Bidders- und Haselbach. (Text: W. Siebeck, im Mai 2015)

Römischer Altar, 1844 ausgegraben am Biddersbacherhof
Römisches Grabmal vom Biddersbacherhof
Römische Funde am Biddersbacherhof

Weit zurück reichen Belege über die Besiedlung des Gebietes um Lobenfeld und um unseren Biddersbacherhof. Am Biddersbacherhof wurde 1844 ein dem Apollo geweihter kleiner (85 cm hoher) Votiv-Altar ausgegraben. Ferner war im Giebel der Scheune unseres Biddersbacherhofes eine große steinerne Reliefplatte eingemauert, sie wurde 1912 als römisches Grabmal identifiziert und auf etwa 212 n. Chr. datiert. 

Römerstraße mit römischen Siedlungen (rot markiert) im Bereich Lobenfeld. Aus: Archäologische Karte Stadt- und Landkreise Heidelberg und Mannheim 1965.
Römer-Strasse

Der behördlich ausgeschilderte „Wanderweg Römerstraße“ durchquert unser Golfgelände. In römischer Zeit war diese Straße eine wichtige Verbindung von der Römerstadt Ladenburg bei Heidelberg zum großen Limes-Kastell in Osterburken. Diese Straße kommt von Wiesenbach, Langenzell, sie trifft an der Bahn 16 auf unser Gelände, verläuft dann über die Bahnen 17 und 18, es geht danach bergauf über die Bahn 10. Eine römische Niederlassung befand sich im benachbarten Bereich von Lobenfeld/Spechbach, der vicus nediensis in der Kleinen Spechbach.

Barbarossa-Urkunde, Abb. aus Ebert/Beuckers
Biddersbach in Barbarossa-Urkunde erwähnt

Vor über 800 Jahren, am 10. August [1187], bestätigt Kaiser Friedrich I. Barbarossa die Privilegien des Klosters Lobenfeld. Diese kaiserliche Urkunde, heute im Landesarchiv Speyer verwahrt, nannte als klösterlichen Besitz u.a. Butersbach, unseren heutigen Biddersbacherhof. 

Kloster Lobenfeld, anonyme Gouache um 1800
Biddersbach mit Kirche, Märkten und Tanzwiese über 400 Jahre im Besitz des Klosters Lobenfeld

Das Kloster Lobenfeld bewirtschaftete während des Mittelalters die Ansiedlung Biddersbach, damals ein sehr kleiner Ort mit einigen Gebäuden. Kirche, Friedhof, Marktrechte und eine „Tanzwiese“ sind belegt. Die Biddersbacher Kirche, sie verfiel nach der Reformation, war Wallfahrtsort mit zwei Marktrechten zu Katharina und Hagelfreitag. Diese Marktrechte wurden 1544 durch kurfürstlichen Erlass der Stadt Neckargemünd verliehen, noch heute besteht hier der Katharinen- oder Bohrermarkt.

Federzeichnung Klingenthalerhof, Friedrich Krämer, Lobenfeld, 1987
Klingentalerhof

Zu nennen ist hier auch der ehemalige Klingentalerhof, in 1723 erstmals urkundlich erwähnt. Er wurde im Jahre 1978 eingeebnet. Heute sind noch Reste dieses Gebäudes (Grundmauern und drei Sandsteinstufen) rechts der Spielbahn „3“ zu finden.

Mittelalterliches Sühnekreuz
„Schneiders Kreuz“- mittelalterliches Sühnekreuz

Ein stattliches, steinernes Wege-Kreuz befindet sich links der 10. Spielbahn. Zu diesem mittelalterlichen Sühnekreuz will eine Sage wissen, dass an dieser Stelle zwei Genossen der Schneider-Zunft sich gegenseitig mit ihren Scheren umgebracht haben. Die einer Schere ähnlichen Einmeiselungen auf dem Kreuz werden für diese Deutung herangezogen, daher auch die althergebrachte Bezeichnung „Schneiders Kreuz“.

Rechtsverhältnisse seit der Reformation bis heute

Ab 1556, der Pfälzer Reformation, wurden die Klöster in der Kurpfalz überführt in vom Kurfürsten eingesetzte Vermögensverwaltungen. So entstand auch die Schaffnei Lobenfeld. Der Biddersbacherhof als Teil dieser Schaffnei wurde 1565 von der Gemeinde Lobenfeld bewirtschaftet, war 1683 für kurze Zeit kurfürstliches Gestüt und von 1686-1693 verpachtet an sieben aus Frankreich geflüchtete reformierte Familien. Verschiedene sog. Erbbeständer folgten. 1819 ging der Besitz in den Erbbestand des Fürsten Wrede und 1827 an den Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Freudenberg. Vom fürstlichen Haus Löwenstein wurde durch unseren Club am 21.12.1996 dieses geschichtsträchtige Besitztum käuflich erworben.

 

Letzter landwirtschaftlicher Nutzer dieses Anwesens war der Landwirt Theodor Barth. Als Bewohner des Biddersbacherhofes wurde er ab 1971, mit dem Bau unseres Golfplatzes, für unseren Club tätig. Mitglieder der Familie Barth zählen noch heute zum Kern unseres Greenkeeper-Teams. 

Quellen und Literatur:
− Archive: GLA Karlsruhe, Gemeinde Lobbach, Ebert
− Amtliche Kreisbeschreibung - Bd. II, Die Stadt Heidelberg und die Gemeinden des Landkreises Heidelberg, 1968.
− Doris Ebert / Klaus Gereon Beuckers: Kloster St. Maria zu Lobenfeld – Untersuchungen zu Geschichte, Kunstgeschichte und Archäologie. Petersberg: Michael Imhof Verlag, 2001. (Heimatverein Kraichgau eV, Sonderveröffentlichung 28)
− Informationen von Herrn Bernhard Barth.